Grußwort von Erzbischof Stephan Burger

Am 5. Mai wurde in Deutschland und weltweit dem 200. Geburtstag von Karl Marx gedacht. Karl Marx galt als der Kapitalismuskritiker schlechthin und gewinnt jüngst an neuer Aktualität. Er gewinnt so sehr an Aktualität, dass sich auch Papst Franziskus mit den Marx‘schen Gedanken und Thesen auseinandersetzt. In seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ geht der Papst mit unserer Wirtschaft- und Arbeitswelt hart ins Gericht. Er spricht von einem „Fetischismus des Geldes“, von einem neuen „goldenen Kalb“, einer „Diktatur der Wirtschaft“ und damit einhergehend einer Leugnung des Vorrangs des Menschen. Genau diese Menschen aber sind es, die Franziskus wieder in den Mittelpunkt unserer Welt und auch unserer Vorstellung von Arbeit holen will. Denn weltweit fordert die Herrschaft einer auf Leistung und Kapital basierenden Wirtschaft ihre Opfer. Schwache, kranke, arbeitsunfähige und arme Menschen können oft nicht mehr an dieser Wirtschafts- und Arbeitswelt partizipieren. Menschen aus wirtschaftlich schwächeren Ländern werden hingegen für eine Kapitalmaximierung ausgebeutet. Und der Druck des Geldes und Erfolges lastet auf allen Menschen weltweit. Die Menschenwürde bleibt in einer derartigen Welt zurück. Darauf wollte Marx aufmerksam machen und darauf macht auch Papst Franziskus aufmerksam. 

Es ist tiefster christlicher Glaube, dass jeder Mensch als Geschöpf Gottes an der Schöpfung gleichwertig teilhaben kann. So fordert der christliche Glaube jeden Menschen auf, für diese universale Teilhabe an der Arbeitswelt einzutreten und gegen Ausbeutung und Unterdrückung die Stimme zu erheben. Anstatt einer „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ brauchen wir im Hier und Jetzt und für die Zukunft eine „Globalisierung der Solidarität und Menschenwürde“.

So bin ich dankbar, dass sich die 9. Kurpfälzer Sozialtage den Fragen nach Arbeit, Wirtschaft und sozialer Gerechtigkeit in unserer heutigen Zeit stellen, und wünsche allen Mitwirkenden und Besucherinnen und Besuchern anregende Impulse, tiefgehende Gespräche und bereichernde Begegnungen.

Erzbischof Stephan Burger